Ziele und Aufgaben

Aufklärung, Sprachkritik, Diskussion

Der Deutsche Sprachrat sieht es als seine Aufgabe an, durch Sensibilisierung des Sprachbewusstseins die Sprachkultur im Inland sowie die Stellung der deutschen Sprache im Ausland zu fördern. Dies will er durch Sprachkultivierung im Sinne von Information und Aufklärung über Sprache und vermehrter Diskussion sprachlicher Themen erreichen.

In Zusammenarbeit mit den sprachgebundenen Medien sucht der Deutsche Sprachrat auf eine vermehrte öffentliche Sprachkritik und auf eine entwickelte Kritikfähigkeit vieler Menschen hinzuwirken, und zwar möglichst anhand von konkreten Anlässen, bei denen falsche oder unangemessene Ausdruckswahl zu Unverständnis, Fehlinformation oder Verärgerung führen. Der Sprachrat wird auch Bemühungen unterstützen, besonders gelungenen, kreativen Sprachgebrauch in der Öffentlichkeit als vorbildlich herauszustellen.

Zusammenarbeit mit Institutionen im In- und Ausland

Der Deutsche Sprachrat sucht hierbei die Zusammenarbeit mit Institutionen und Organisationen für die deutsche Sprache im In- und Ausland, um eine bessere Vermittlung und Umsetzung von Wissen über die deutsche Sprache und über Sprache allgemein zu bewirken und somit zur Reflexion über Sprache und Sprachgebrauch beizutragen. An dieser Vermittlung beteiligt er sich mit seinen eigenen Auskunfts- und Beratungsdiensten.

Deutsch in der Schulbildung

Die stärkste sprachliche Prägung erfahren Kinder durch den Spracheinfluss in der Familie und in der Schule. Der kindliche Spracherwerb in der Familie ist nur indirekt über das Sprachwissen der Eltern zu beeinflussen. Der Deutsche Sprachrat wendet sich mit seinen Empfehlungen an Eltern und Schulen. Ziel des schulischen Deutschunterrichts im Inland muss eine mündliche und schriftliche Sprachkompetenz sein, die zur vollen Beteiligung am gesellschaftlichen Leben befähigt. Deutsch soll in allen Schularten und auf allen Klassenstufen als Hauptfach unterrichtet werden und auch in den beruflichen Ausbildungseinrichtungen eine bedeutende Rolle einnehmen.

Fremd- und Zweitsprachenkompetenz

Der Fremdsprachenunterricht trägt zum Erhalt der europäischen Sprachenvielfalt und mittelbar auch zum Verständnis der eigenen Sprache bei. Der Deutsche Sprachrat unterstützt die Bemühungen um den Beginn des Fremdsprachenunterrichts schon in der Grundschule. Ziel ist die mündliche und schriftliche Handlungsfähigkeit möglichst vieler Deutscher in zwei europäischen Fremdsprachen sowie Lesekompetenz und Hörverständnis in weiteren Sprachen. Nachbarschaftssprachen sollen im schulischen Sprachenangebot besonders berücksichtigt werden. Der Deutsche Sprachrat möchte auch die Entwicklung angemessener Unterrichtsprogramme unterstützen, mit denen die sprachliche Integration von Zuwanderern und Migranten erleichtert wird.

Deutsch in der internationalen wissenschaftlichen Kommunikation

Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass deutsche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen – wo es im Interesse der internationalen Fachkommunikation angebracht ist – auf Englisch publizieren. Der Deutsche Sprachrat ermutigt aber Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen in Deutschland zu einer entwickelten Zwei- oder Mehrsprachigkeit, um zu gewährleisten, dass auch im Interesse ihrer wissenschaftlich interessierten deutschsprachigen Mitbürger und Mitbürgerinnen nach wie vor auf Deutsch publiziert und referiert wird und Deutsch als Fachsprache weiterentwickelt wird.

Deutsch als Fremdsprache

Das Erlernen der deutschen Sprache im Ausland zu fördern ist ein Kernanliegen des Deutschen Sprachrats. Dieses Ziel verfolgt er im Bewusstsein eines Systems von Wechselwirkungen: Die Wahrnehmung der deutschen Sprache im Ausland beginnt im Inland. Der Gebrauch der deutschen Sprache im Inland strahlt in die Sprachvermittlung und das Erleben der deutschen Sprache im Ausland aus, so wie die Wahrnehmung von Deutsch im Ausland immer wieder Rückwirkungen auf die Auseinandersetzung mit unserer Sprache im Inland haben wird.

Politikberatung

Im Interesse von Deutsch als der sprecherstärksten Muttersprache der EU unterstützt der Deutsche Sprachrat die Bundesregierung und andere Institutionen im In- und Ausland aktiv in deren Bemühungen, der Tendenz zur arbeitspraktischen Einsprachigkeit bei den europäischen Behörden und den Organen der Europäischen Union entgegenzuwirken.

Zentrale Instanzen staatlicher Sprachenpolitik gibt es in Deutschland nicht. Dennoch sind einsichtige und wirksame Verfahren gesamtstaatlicher sprachenpolitischer Willensbildung gegeben. Der Deutsche Sprachrat bietet sich den verschiedenen mit sprachenpolitischen Fragen befassten Stellen in Bund und Ländern und der europäischen Union als Beratungsorgan und Forum zur Erörterung und fachlichen Abstimmung an.

Von verschiedenen Organisationen und einzelnen Personen ist in den letzten Jahren immer wieder ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache gefordert worden, etwa analog den Sprachgesetzen in Frankreich und Polen. Der Deutsche Sprachrat betrachtet gesetzliche Schutzbestimmungen als ungeeignet für die Förderung einer positiven Weiterentwicklung der deutschen Sprache.

 

Derzeitiger Vorsitz

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