Stellungnahme des Deutschen Sprachrats zum Antrag der Fraktionen SPD, CDU/CSU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP

Deutsch als Arbeitssprache auf europäischer Ebene festigen – Verstärkte Förderung von Deutsch als erlernbare Sprache im Ausland

München, den 22. September 2003

Der Deutsche Sprachrat begrüßt es, dass sich in der bisherigen parlamentarischen Diskussion Abgeordnete verschiedener Parteien übereinstimmend für eine verstärkte Förderung der deutschen Sprache im anderssprachigen Ausland und für eine Stärkung von Deutsch als einer der Arbeitssprachen der EU-Institutionen ausgesprochen haben. Er hofft, dass die Ausschuss- und Plenarberatungen zu Entscheidungen des Bundestags führen, die u.a. auch den Mittlerorganisationen (bes. Goethe-Institut, DAAD, Auslandsschulen) eine Intensivierung ihrer Arbeit für die deutsche Sprache im Ausland ermöglichen, und die auf ein 'Sprachenregime' bzw. eine alltägliche Sprachpraxis in den Institutionen der Europäischen Union hinwirken, die der tatsächlichen Verbreitung des Deutschen als sprecherstärkster Muttersprache in der Union entsprechen.

Aufgrund seiner ausgewiesenen Kompetenz in sprachlichen Fragen auch auf europäischer Ebene ist der Deutsche Sprachrat bereit, hierzu konkrete Projektvorschläge vorzulegen bzw. vorzustellen.

Der Deutsche Sprachrat nutzt aber auch die Gelegenheit, um eindringlich darauf hinzuweisen, dass vermehrte Aktivitäten nach außen allein nicht ausreichen werden, um die sprachlichen Verhältnisse wesentlich zu ändern. Das Ansehen der deutschen Sprache im Ausland und die Bereitschaft, sie zu lernen, hängen wesentlich von der Stellung des Deutschen im Inland ab, also von der Sprachkultur in Deutschland. Diese wird entscheidend von der Einstellung der Deutschen zu ihrer eigenen Sprache bestimmt. Ohne eine entwickelte Sprachkultur im Inland, die auch Sprachloyalität[1] einschließt, lässt sich Deutsch als Fremdsprache schwerlich überzeugend nach außen vermitteln.

Entsprechend müssen Aktivitäten Unterstützung finden, die durch Sensibilisierung des Sprachbewusstseins die Sprachkultur im Inland fördern. Dazu sind Maßnahmen geeignet, die im Sinne von Information, Aufklärung, Dokumentation und Diskussion über Sprache eine Sprachkultivierung erreichen. Auch hier ist der Deutsche Sprachrat bereit, im Auftrag der Bundesregierung entsprechende Projekte durchzuführen.

Eine gezielte Förderung von und Zusammenarbeit mit Institutionen und Organisationen für die deutsche Sprache im In- und Ausland, mit dem Ziel eine bessere Vermittlung und Umsetzung von Wissen über die deutsche Sprache und über Sprache allgemein zu bewirken und somit zur Reflexion über Sprache und Sprachgebrauch beizutragen, ist dringend erforderlich.

Der Zusammenhang zwischen der Sprachkultur im Inland und der Stellung der deutschen Sprache im Ausland gehört zu den Motiven für die Gründung des Deutschen Sprachrats. Der Sprachrat ist ein Zusammenschluss der drei großen staatlich finanzierten Einrichtungen zur Erforschung, Vermittlung und Pflege der deutschen Sprache: der Gesellschaft für deutsche Sprache (Wiesbaden), dem Goethe-Institut (München) und dem Institut für Deutsche Sprache (Mannheim).[2] Gemeinsames Ziel ist, die Sprachkultur im Inland zur fördern und die Stellung der deutschen Sprache im Ausland zu festigen.


[1] Der Begriff der »Sprachloyalität« ist aus der amerikanischen Soziolinguistik (»language loyalty«, Dell Hymes) übernommen.

[2] Der Deutsche Sprachrat wurde im Mai 2003 als Gesellschaft des Bürgerlichen Rechts gegründet. Vorsitzende während des ersten Zweijahresturnus ist Frau Prof. Dr. Jutta Limbach, die Präsidentin des Goethe-Instituts.

Derzeitiger Vorsitz

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